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    Creciendo Juntos 2026: Was wir mit 16 Kaffeeproduzierenden in Basel unterschrieben haben

    Creciendo Juntos 2026: Was wir mit 16 Kaffeeproduzierenden in Basel unterschrieben haben

    Ende Juni kamen 16 Kaffeeproduzenten und Kaffeeproduzentinnen aus acht Ländern drei Tage lang zu uns nach Basel. Wir haben über Chancen und Herausforderungen gesprochen, über Preise und Anzahlungen und über die Geschichten, die Röstereien über Fincas erzählen, meistens ohne die Fincas zu fragen. Am Ende haben wir unsere Diskussionsergebnisse in fünf Sätzen formuliert, dem Manifesto Creciendo Juntos. Es ist unser Kompass für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

    Diesmal kam der Ursprung zu uns

    Normalerweise reisen wir zwei- bis dreimal pro Jahr zu unseren Partnern in den Kaffeeländern. Zwischen den Ernten ist der Alltag weniger stressig, da haben wir Zeit, zusammen zurückzublicken und die nächsten Projekte zu planen. Dann fahren wir nach Hause und erzählen im Team und euch von unseren neuen Erfahrungen. Vom 29. Juni bis 1. Juli haben wir es umgedreht.

    Nach Basel kamen

    • Flhor und Mario von 18 Conejo aus Honduras,
    • Claudia und Lenin von BridAzul aus Nicaragua,
    • Melisa und Beni von der Rancho San Felipe und
    • Vera von Kua'nu Raíces aus Mexiko,
    • Mauricio von Apas Coffee und
    • Luisa von Farmers Coffee aus Brasilien,
    • Iliana, Diana und Irene von der Finca Puerto Rico aus Kolumbien,
    • Yulma von der Finca San Isidro aus Guatemala,
    • César von der Chacra d'Dago und
    • Sonia und Yudeli von Gocta Coffee aus Peru sowie
    • Luca von Mt. Sunzu aus Sambia.

    Im Frühjahr haben wir mit diesen Zielen eingeladen:

    1
    Wissen und Erfahrungen austauschen, und zwar unter den Produzierenden selbst, nicht nur mit uns.
    2
    Einen gemeinsamen Marktkompass bauen.
    3
    In unsere gemeinsame Beziehung Zeit investieren.

    Die Reaktionen kamen schnell und waren positiv. Viele unserer Partner waren ohnehin für die World of Coffee in Brüssel nach Europa gereist, so ließ sich beides verbinden.

    „So etwas habe ich mir immer gewünscht“,

    sagte Iliana von der Finca Puerto Rico, als wir in der Schlussrunde bei allen Feedback einholten. Es ist so selten, dass sich Produzierende untereinander austauschen können, und dass eine Rösterei direktes Feedback von verschiedenen Seiten bekommt.

    Yulma lernte von Iliana über Zertifizierungen, während Mauricio von Luca über Bewässerungssysteme lernte. Melisa teilte ihre Zweifel zu Wachstum, während Claudia den Zugang zu Krediten thematisierte. Es war ein Austausch auf vielen Ebenen, bei dem alle aus ihren eigenen Erfahrungen berichten konnten.

    Wie aus Post-its fünf Sätze wurden

    Am ersten Tag haben wir offen über Preisfindung geredet. Und wir haben gezeigt, was Produzierende sonst kaum zu sehen bekommen: woher wir wie viel kaufen, wie sich unser Röstvolumen auf die einzelnen Kaffees verteilt, was unsere Kundschaft trinkt, welche Geschmacksprofile ankommen, wo wir Entwicklung sehen und wo nicht. Anstatt eine Marktstudie zu konsultieren, haben wir unsere eigenen Zahlen komplett geteilt.

    Danach kamen die Themen, die die Produzierenden selbst mitgebracht haben, im Open-Space-Format: Kompostanlagen für kleine Fincas, Arbeitsmigration auf den Farmen, Decaf, Finanzierungsmodelle zwischen Produktion und Einkauf, der Umgang mit Röstereien, die große Mengen kaufen, und die neuen EU-Regeln EUDR und CSDDD.

    Luisa von Farmers Coffee und Melisa von der Rancho San Felipe bei Creciendo Juntos in Basel

    Luisa von Farmers Coffee (Brasilien) und Melisa von der Rancho San Felipe (Mexiko)

    Ein lang diskutierter Programmpunkt kam von Johanna Jacobi, die Partizipative Garantiesysteme (PGS) vorstellte. PGS sind Zertifizierungen, die sich eine Gruppe gegenseitig ausstellt, statt sie von einer externen Stelle zu bekommen. Wir haben darüber geredet, ob wir als Gruppe so etwas aufbauen, haben es schließlich aber gelassen. Einige nehmen die Idee für ihre eigene Region mit, aber ein gemeinsames Siegel wollte am Ende niemand.

    Aus diesem Entscheid aber kam die Form des Manifestos: Wir haben uns intensiv ausgetauscht und eine gemeinsame Sprache gefunden, wollten uns jedoch nicht in ein Korsett zwängen. In Leitsätzen als Kompass aber konnten sich alle wiederfinden.

    Geschrieben hat es nicht unser Team, sondern alle zusammen, unter der Leitung von Vera Espíndola. Sie hat alles gesammelt, was jede Seite von der anderen erwartet und was sie selbst anbietet. Dazu kam eine Matrix aus Post-its, auf der wir sortiert haben, welche Geschichten über eine Finca wer wie erzählen darf. Den Wortlaut haben wir danach geschärft und auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch formuliert.

    Fünf Sätze, an denen wir uns messen lassen

    1. Wir reden miteinander, nicht übereinander

    Geschichten machen Kaffee noch lebendiger. Also prüfen wir sie gemeinsam, bevor wir sie erzählen: Stimmt das so? Erkennen sich alle darin wieder?

    Das trifft uns direkt. Wir verkaufen Kaffee auch über Geschichten, und wir haben sie bisher meistens allein geschrieben. Ab jetzt geht ein Text über eine Finca an die Finca, bevor er online geht.

    2. Starke Partnerschaften, starker Kaffee

    Unsere Beziehungen stärken wir, indem wir zuerst Mensch sind. Wir hören genau hin, weil wir sonst nicht wissen, was unser Gegenüber wirklich braucht.

    Der Satz adressiert eine Ebene, die in der Kaffeebranche oft vergessen wird: Empathie ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Partnerschaft. Wer zuhört, erfährt Dinge, die er dann nicht mehr ignorieren kann: dass eine Ernte ausfällt, dass jemand die Farm aufgeben will oder dass ein Kredit fällig wird.

    3. Vorschussvertrauen ist unsere Währung

    Als Partner planen wir früh und miteinander, weil wir alle Planungssicherheit brauchen. Braucht die Finca eine Anzahlung, besprechen wir das und finden die beste Lösung. Der Vertrag besiegelt am Ende, was wir vorher schon geklärt haben.

    Ein Wort haben wir in Basel abgelegt: Vorfinanzierung. Wir haben es selbst lange benutzt. In der Gruppe ist uns aufgefallen, dass es nach einer Geste klingt, nach einem Gefallen, den die Käuferseite der Finca tut. Wenn man ehrlich ist, hat es etwas Gönnerhaftes.

    In anderen Branchen heißt dasselbe schlicht Anzahlung. Wer eine Küche bestellt, zahlt an, und niemand hält das für Großzügigkeit. Warum sollte das bei Kaffee anders sein? Der semantische Unterschied mag klein sein, aber Sprache schafft Realität, und mit dem neuen Wort hat sich der Satz für alle stimmiger angefühlt.

    4. Der Börsenpreis ist kein Kaffeepreis

    Jede Finca ist anders. Deshalb rechnet nicht die Börse und nicht die Käuferseite, sondern die Finca: Lebenshaltung, Produktionskosten, Investitionen, Marge. Diese Faktoren sind für die Käuferseite der unverhandelbare Ausgangspunkt.

    Wenn wir nur den Börsenpreis im Blick haben, werden wir nie den kostenwahren Preis bezahlen. Produzierende wissen, was sie brauchen. Und wenn nicht, unterstützen wir sie dabei, es herauszufinden.

    5. Wir handeln transparent, um Wandel voranzutreiben

    Wer kauft, exponiert sich. Wer verkauft, auch. Wir sprechen über unsere Krisen und Entwicklungspläne, und zwar früh. Einseitige Transparenz ist keine.

    Wir verarbeiten rund 140 Tonnen Rohkaffee im Jahr. Wie sich das auf unsere Lieferpartner verteilt, steht in unserem Transparenzbericht.

    Wer kontrolliert uns?

    Niemand, jedenfalls keine Stelle mit Stempel. Das war die Entscheidung gegen das gemeinsame PGS, und wir halten sie nach wie vor für richtig. Eine Abmachung ohne Kontrolle ist allerdings billig zu haben, das wissen wir auch.

    Darum veröffentlichen wir sie. Wer mit uns arbeitet, heute oder morgen, kann uns jeden der fünf Sätze vorhalten, auf Spanisch, Portugiesisch, Englisch oder Deutsch.

    Und: Das Manifesto gehört nicht uns. Das „wir“ darin meint alle, die Ende Juni 2026 in Basel waren.

    Ihr röstet oder produziert Kaffee und wollt euch daran orientieren?

    Nehmt es, zitiert es, übersetzt es. Und sagt uns, wo es für euch nicht passt, denn genau dort wird es interessant.

    Wann und wo das nächste Creciendo Juntos stattfindet, ist noch offen.

    What do you think?